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Frau Hardenberg, Sie besitzen seit 1995 Norwegische Waldkatzen. Wie sind Sie zu dieser Rasse gekommen? Nun, unser alter Kater war gestorben, und ich war eigentlich seit langem von den Maine Coons begeistert. Ich hatte dabei das Bild von einem Riesenbrocken von Tabbykater mit langen Luchsbüscheln und Eulenaugen vor Augen, das ich mal gesehen hatte. Ich bin von Züchter zu Züchter und von Ausstellung zu Ausstellung, aber so richtig Klick gemacht hat`s nicht. Die Norweger hatte ich nie so richtig wahrgenommen, waren mir zu klein und unscheinbar. Bis ich in einer langen Reihe von Katzenkäfigen eine mit dem seelenvollsten, geheimnisvollsten und sanftesten Ausdruck in den Augen sah, den ich je gesehen hatte. Es war dieses elfengleiche und trotzdem eigensinnige freche Gesichtchen, das mich verzauberte und die Hingabe mit der das Tierchen sich auf den Rücken legte und mich bepfotelte. Dabei hatte es weder lange Luchsbüschel noch die richtige Blacktabby- farbe. Ein Kater wars auch nicht. Es war auch keine Maine Coon, sondern eine Norwegische Waldkatze. Und, haben Sie sie gleich mitgenommen? Iwo, danach habe ich mir erst mal alles beschafft, was ich über Norwegische Waldkatzen kriegen konnte, also Bild- und Lesestoff. Bin dann noch zu Ausstellungen gegangen und habe festgestellt, daß es wie bei der Maine Coon gewaltige Typunterschiede gibt. Wochen später bin ich dann zu der Züchterin hin, weil mir diese Katze nicht mehr aus dem Sinn ging. Ich habe dann Anfang 1995 eine Schwester, Lucy, eine Blacksilbertabby und eine Halbschwester, Wendy, eine Blausilbertabby, aus dieser Linie bekommen. Wollten Sie gleich züchten? Nein, nie und nimmer. Aber ich war von diesem Ausstellungsgewusele und den Züchterbesuchen schon fasziniert. Eine völlig neue Katzenwelt. Ich hab dann erstmal das Heranwachsen von diese beiden Katzen genossen und war regelrecht infiziert von ihrem Wesen und ihrer Schönheit. Dann haben wir auch gleich angefangen ein Freigehege zu bauen, das wir im Laufe der Zeit mehr und mehr erweitert haben. Diese herrlichen Tiere passen so richtig in eine natürliche Umgebung mit Wiesen und Wald. Auf einem Wohnzimmerbuffet oder in einem Ausstellungskäfig geht viel von ihrer Faszination verloren. Sie haben dann aber doch Ausstellungen mit Ihnen gemacht? Ja, wir wollten erstmal testen, ob unser subjektiver Eindruck dem Standart genügt, bevor wir dann einmal Nachwuchs mit ihnen haben könnten. Beide waren erfolgreich. Wendy wurde in einem Rutsch International Champion, Lucy im Schatten Ihrer Halbschwester Champion. Aber mal ehrlich, wir und unsere Katzen hatten dann ein für alle mal diesen Ausstellungsrummel und die Fahrerei satt. Tiefergehende Kritik werde ich mir an dieser Stelle verkneifen. Zu erwähnen wären vielleicht noch die gesundheitlichen Risiken, die solche Ausstellungen bei so vielen Katzen mit sich bringen. Wie Sind Sie an Ihren Zuchtkater gekommen? Schöner Zufall! Wenn man Ahnenforschung betreibt, speziell auch bei unseren deutschen Linien, bis zu ihrem Ursprung bei Frau Nylund in Norwegen, werden sie mit Erschrecken feststellen, wie eng alles miteinander verwandt ist und sich wundern, daß unsere schöne Naturrasse überhaupt noch so robust und gesund ist, wie sie gottseidank immer noch ist. Dieser Problematik nehmen sich im zunehmenden Maße auch die Maine Coon-Leute an. Wen das interessiert, sollte sich die Maine Coon Heritage-Seite zu diesem Thema anschauen. Das Zauberwort ist hier Outcrossing. Sie nehmen also Linien, die weit entfernt von der eigenen sind und möglichst noch einen Experimentalstammbaum mit einem Novizen (einem typgerechten Neuankömmling unbekannter Herkunft, möglicherweise Bauernhofkatze) aufweisen. Damit will man den Genpool wieder erweitern. Bei den norwegischen Waldkatzen ist das seit 1990 nicht mehr möglich. Ich hatte mein Augenmerk dabei auf zwei schwedische Zuchten den Morky`s und den Pysida`s gelenkt, die beide noch mit Opprinnelse Oppdrett (Foundation) arbeiten und deren Katzen mir vom Typ her sehr zusagten. Sie haben also Ihren Zuchtkater aus Schweden importiert? Nun. ich brauchte gar nicht nach Schweden zu fahren. Ich erfuhr 1996, daß Frau Hoffmann von den Rumpelmäxen Morky`s Miss Moneypenny besaß, die gerade trächtig von Pysida`s Hironimus war (zwei Schweden-Importen) und daß noch dazu rote Kater zu erwarten waren, wie ich es mir vorgestellt hatte. Wie sieht es mit Nachwuchs aus in Ihrer Cattery? Das Wort züchten habe ich sowieso schon immer sehr vorsichtig in den Mund genommen. Es hat etwas von Sklavenhalterei an sich. Aber Sie sehen ja selbst, wie man auf dieses ganze Drumherum mit Linien, Abstammung und Ausstellungstiteln abfahren kann. Wenn man dabei nur immer die Hauptsache, das Wohl der Katze, um die es geht, im Auge behalten würde.Wir leben mit unseren Norwegern. Unsere Norweger teilen alles mit uns. Wir haben jetzt neun wunderschöne Tiere. Jedes hat seine Eigenart, jedes ist anders. Wir hatten das Glück (und die Sorgen) Nachwuchs mit Ihnen zu haben und es ist uns jedesmal zu schwer gefallen, sie abgeben zu müssen, wenn sie groß genug waren. Es hat sich auch als schwierig erwiesen, Jungtiere, die einmal die Freiheit (das Freigehege) genossen hatten, an Wohnungshaltung zu gewöhnen. Abgesehen davon stehen wir einer ausschließlichen Wohnungshaltung bei Katzen sowieso sehr kritisch gegenüber. Nach drei oder vier Monaten Aufzucht kennen Sie jedes Jungtier sehr genau. Wer offenen Sinnes durch die Welt geht, sieht daß jedes Tier zu einer eigenen Persönlichkeit heranwächst und daß Sie (der Züchter) die volle Verantwortung für sein weiteres Wohlergehen tragen. Um offen zu sein, es hat nicht sehr viele Leute gegeben, denen ich ein Tier vorbehaltlos vertrauensvoll in die Hände gelegt hätte. Aber so ganz ausschließen will ich weitere Würfe nicht. Bitte lesen Sie dazu einen Artikel von einer amerikanischen Züchterin. Sie würden sich also als neue Spezies, der Waldkatzen-Verrückten bezeichnen? Das kann man wohl sagen! Wir haben zwar noch einen Hund und eine Hauskatze, will sagen, wir lieben natürlich alle Tiere, aber die Waldkatzen haben einige Persönlichkeitsmerkmale, die sie zu etwas ganz besonderen machen und die ganz besonders liebenswert sind, wie ich es bei anderen Katzen so noch nicht wahrgenommen habe. Darauf gehe ich aber auf unserer Info-Seite noch genauer ein. Hat das weitreichende Konsequenzen? Das allerverrückteste dabei ist, ich bin zum nordophilen geworden. Es interessiert mich alles was zu dem natürlichen Lebensbereich der Norwegischen Waldkatze gehört, also abgesehen von der Heimat und der nordischen Landschaft, auch die nordische Sprache, die Literatur und die Geschichte. Das Interesse hat sich mittlerweile auf ganz Skandinavien ausgedehnt. Und ich sammle nordische Namen. Namen, die sich auf Norwegische Waldkatzen anwenden lassen und authentische Namen von Norwegischen Waldkatzen. Ich habe im Laufe der letzten Jahre Tausende von altnordisch, isländischen, norwegischen, schwedischen und auch finnischen Namen gesammelt. Sie stammen aus allen Bereichen der Literatur wie z. B. den Sagas und der Edda, aber auch aus Märchen, also Mythologie, Geschichte und klassischer Literatur. Die authentischen Namen habe ich auf Ausstellungen gesammelt oder Stammbäume ausgewertet. Alles in allem müßten das so über 15.000 Namen sein. Fein säuberlich nach Rubriken und Geschlecht getrennt. Einen kleinen Teil der nordischen Namen habe ich unter Wikingernamen auf der Seite Namen für Waldkatzen aufgeführt. Auf dieser Seite ist auch eine riesige Liste meiner Tolkien-Namen aufgeführt, die ganz prima zu den Norwegern passen, aber auch als Zwingernamen nützlich sind. Weitere Namensprojekte auch für andere Rassen sind in Aussicht und werden in einem kleinen Band veröffentlicht werden. Da haben sie ja noch was vor, Frau Hardenberg... |
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